Seit 1951 erschienen die Mecki-Comics - mit einigen Unterbrechungen - in der Fernsehzeitschrift Hör Zu und insbesondere die Geschichten aus den Federn von Reinhold Escher und Professor Wilhelm Petersen gehören zum Besten, das die deutsche Comic-Geschichte zu bieten hat.
 
 
   

Ursprünglich als bewegte Puppe für einen Diehl-Film geschaffen, auf zahllosen Postkarten verewigt und als Steiff-Tier begehrt wurde Mecki vom ehemaligen Chefredakteur der Hör Zu, Eduard Rhein im Jahre 1949 zum "Redaktionsigel" gekürt.

Multitalent Rhein schrieb auch die bekannten 13 Mecki-Bücher, die mit Ausnahme des ersten alle von Wilhelm Petersen mit meisterlichen Aquarell-Illustrationen versehen wurden. Allein das erste der Bücher wurde von Reinhold Escher bebildert.

   
 
Skizze von Petersen zu "Mecki bei Sindbad"
Was in der Hör Zu eher als Ansammlung ganzseitiger Einzelgags begann, entwickelte sich ab 1956 zu einer Reihe von unterschiedlich langen, humorvollen Abenteuer-Erzählungen in Comic-Form. Sprechblasen kamen erst viel später hinzu.
Ursprünglich noch in Brauntönen gedruckt - Beginn einer Mecki-Story 1957
Bis Ende 1976 wurden die Geschichten in erster Linie von den beiden genannten Künstlern geschaffen - kurz unterbrochen von einigen Beiträgen von Heinz Ludwig.
Mecki-Halbseite von Reinhold-Escher von 1965
Mecki-Halbseite von Wilhelm Petersen aus dem Jahre 1968
Mecki aus der Feder von Heinz Ludwig aus dem Jahr 1963
Während Eschers Version eher an kolorierte Zeichnungen erinnert, merkt man Petersens Illustrationen stark den Maler an, der die Körper durch abgestuften Farbauftrag modelliert. Immer wieder brilliert Petersen besonders, wenn seine Geschichten in hanseatischem Milieu spielen.
Mecki-Halbseite von Professor Petersen aus dem Jahre 1968
Nach der Ära Escher/Petersen übernahm bis Anfang 1978 das Team Jürgen Alexander Heß (Zeichner) und Rainer Schwarz (Text) die Serie und hauchten ihr neues Leben ein.
Mecki-Halbseite von Alexander Heß/Rainer Schwarz
Volker Reiche, der zuvor schon als Donald Duck-Zeichner auf sich aufmerksam gemacht hatte, löste 1985 das innovative Team ab und führte wieder ein eher konservatives Design ein. Aus zunächst wie gewohnt ganzseitigen Geschichten und Episoden wurden zweistreifige Gag-Strips, die sich zunächst immerhin bis 1999 in der Hör Zu hielten.
Schrat-Skizze von Volker Reiche
Mit Heft 49/1999 versuchte man nochmals eine modernisierte Variante des Redaktionsigels von Ully Arndt zu etablieren, die ihren eigenen Charme hatte und sich bis Anfang 2002 im von Volker Reiche eingeführten zwei-Spalten-Format halten konnte.
Mecki-Streifen von Ully-Arndt
Glücklicherweise mißlang der Versuch, im Jahr 2002 eine neue Variante aus der Feder von Kolja Wilcke dem Publikum nahezubringen, denn hier war der bekannte Igel kaum noch zu erkennen.

Leider wurde aber auch die schwungvolle und zitatenreiche Version von Harald Siepermann, der sich in der Geschichte "Affäre Charly Pinguin" ab Anfang 2002 von Woche zu Woche steigerte, nach 23 Folgen mitten in der Geschichte abgebrochen - ein echter Cliffhanger, denn im letzten Panel lautet der Kommentar: "...und so brechen unsere Freunde in ihr bisher größtes Abenteuer auf...".

Mecki von Harald Siepermann aus dem Jahr 2002
Nach dem bedauernswerten Scheitern der Siepermann-Variante übernahm Mecki-Veteran Volker Reiche ab Heft 40/2002 wieder die Serie und überraschte die Leserschaft mit einer erweiterten Familie.

Anfang 2006 revolutionierte Volker Reiche das Mecki-Universum nochmals grundlegend. Mecki kommt in der Gegenwart an!

Zum Teil erinnert das Outfit der Figuren an das der Personen aus den Moebius-Welten. Wenn man den ersten Schock der Umorientierung überwunden hat, entwickelt sich der Charme der neuen Version mit fortschreitender Lektüre.

 
Von links nach rechts: Mecki, Charly's Filius, der Schrat und Charly Pinguin!
 

Doch zur Überraschung der Leser beendete Volker Reiche mit HörZu Nummer 48/2006 sein Experiment und - nach mehr als 100 gezeichneten Mecki-Episoden - auch seine Arbeit an den Erlebnissen des Stachelkopfes.

Im Jubiläumsheft Nummer 49/2006 übernahm Johann Kiefersauer die Federführung und stellte die altbekannte Optik des Redaktionsigels und seiner Freunde wieder her. Erfreulich ist sicherlich, dass man den Geschichten noch immer den Raum einer ganzen Seite gewährt.

Spätestens mit seiner Geschichte um die "Schatzinsel", die in Heft 11/2009 begann, hat sich der Künstler in die Spitze der ganz großen Mecki-Zeichner katapultiert.

         
 
 
         

In den fünfziger und sechziger Jahren gab es wohl kaum jemanden in Deutschland, der mit dem Begriff "Mecki" nichts anfangen konnte und wenn damit auch nur die vom Hör Zu-Maskottchen abgeleitete Frisur gemeint war.

Erst im Juli 2009 erschien der erste Band einer mit dem Jahrgang 1958 beginnenden Buchreihe im Esslinger-Verlag, der man nur alle Daumen drücken kann, damit diese Edition ein voller Erfolg wird.

Das ansprechende Layout, der qualitativ hochwertige Einband, das hervorragend gewählte Papier und der Start mit einem informativen Vorwort zeigen, wieviel Mühe man sich bei Esslinger mit der lange ersehnten Neuausgabe dieser Schätze der deutschen Comic-Produktion gegeben hat. Die Farben sind originalgetreu und klar, die Anpassung an die neue deutsche Rechtschreibung stört keinesfalls. Es macht einfach Spaß, diese Klassiker in einer derart liebevoll produzierten Ausgabe in einem Stück zu lesen. Einziger Wermutstropfen: Es wurden zwei Seiten ausgelassen, die sich der Mecki-Sammler sicherlich in einem kompletten Jahrgangsband gewünscht hätte.

Nach all den erfolglosen Versuchen, die berühmten Mecki-Seiten wieder aufzulegen, ist dies sicherlich ein überaus gelungener Start, dem ab jetzt pro Jahr zwei Bände folgen sollen.

 
 
 
 

Doch auch in Mecki-freien Zeiten wurde die Erinnerung an die großartige Serie aufrechterhalten:

Zum einen durch das Büchlein "Mecki - Maskottchen und Mythos" von Eckart Sackmann, Hamburg 1984 und vor allem aber durch die Fanpublikation "Stachelkopf", von der es bislang 16 Ausgaben gibt und die vom leider verstorbenen Manfred Reinhard in unregelmäßigen Abständen an die Mitglieder des Interessentenkreises verschickt wurde. Hierin finden sich so manche Raritäten aus dem Mecki-Universum besprochen und dargestellt.

     
 
                             
 

Sicherlich sind die Erzählweise und der Humor der frühen Jahre dem Geschmack der heutigen Jugend nicht mehr angemessen, aber gilt dasselbe nicht auch für andere Meisterwerke der Comic-Kunst?

Es ist den Werken von Reinhold Escher und Wilhelm Petersen wirklich zu wünschen, dass der Esslinger-Verlag, der diese einzigartigen Zeitdokumente in einer angemessenen Edition für die Nachwelt erhalten möchte, für seinen Mut belohnt wird und die Freunde des Stachelkopfes spätestens 2018 das Gesamtwerk dieser Künstler in Händen halten kann.

Wir haben in Deutschland nicht allzuviele Comics, die es wert wären.

     
                             
                                     
Letzter Update: 8. August 2009