SUSKE UND WISKE

Die Serie Suske und Wiske gehört zweifelsohne zu den "Klassikern" europäischer Comic-Literatur.

Bereits am 30. März 1945 erschienen die ersten Steifen der flämischen Familie im Nieuwe Standaard, allerdings stand der kleinen Wiske im ersten Abenteuer nicht Suske, sondern ihr großer Bruder Rikki zur Seite, der ab dem 19. Dezember dieses Jahres durch Suske ersetzt wurde.

Der Grund dafür war die zu große Ähnlichkeit Rikkis mit Tintin (Tim aus Tim und Struppi) und die scheinbare Überlegenheit der Figur gegenüber der kleineren Wiske, wie der Schöpfer Willi Vandersteen in einem Artikel der Comixene Nr. 28 berichtet.

Ihrer Tante Sidonie wurde 1946 Lambik (in Deutschland auch: Pankwitz) an die Seite gestellt, der seinen Namen der bekannten belgischen Biersorte Gueuze Lambik verdankt.

Von ähnlichem Temperament wie z.B. Donald Duck spielt er in der Serienfamilie das irrend-strebende menschliche Element.

aus: Felix 220
Was Vandersteen an skurrilen und surrealen Gags in die Geschichten eingebaut hat, ist unübertroffen, eine der genialsten Ideen aber ist die Erfindung der Supermenschen-Parodie Jerome (im deutschen auch: Wastl), der im Jahre 1952 in dem Abenteuer "De dolle Musketiers" (übrigens noch nie in Deutschland erschienen) in die Serie eintrat und seither nicht mehr wegzudenken ist.
Rikki und Wiske
Jerom

In hunderten von Geschichten hat diese verrückte Familie seit jenen Anfangstagen in der Zeitung und in Alben ihre Leserschar erfreut.

Unzählige Gags wurden von Willy Vandersteen und seinem Studio in dieser Zeit produziert und mittlerweile werden die Abenteuer von Suske und Wiske von Paul Geerts und Marc Verhaegen fortgeführt, und die Mischung aus Abenteuer und einer besonderen Art von Humor garantiert dem Verlag auch heute noch eine treue Leserschaft.

Willy Vandersteen und Paul Geerts
In der Comixene analysiert Vandersteen den Erfolg der Serie selbst: "Der Erfolg war, glaube ich, drei Faktoren zuzuschreiben: Erstens, der Zeitpunkt. Nach fünf Jahren Kriegselend brauchten wir etwas Lustiges, etwas Entspannendes. Keine pessimistische Literatur, wir hatten im Krieg allemal genug Schicksale erlebt. Wir brauchten ein Lächeln beim Frühstück. Zweitens erhielten Suske und Wiske einen bestimmten Volkscharakter. Wenn über jemanden hergezogen wird, dann so, wie ein gewöhnlicher Mensch das tut: Gütmütiges Lächeln über lokale Mißstände. Und auch der Humor ist bekannt, das Mittel gegen schlechte Zeiten. Zum Schluß kam um diese Zeit mehr Geld in Umlauf, und es gab mehr Freizeit. Es war Platz da für eine gezeichnete Geschichte. Das war mein Glück."

Das deutsche Publikum machte seine erste Bekanntschaft mit "Peter und Ulla" im wöchentlich erscheinenden Felix-Heft Anfang der sechziger Jahre und der Geschichte "Der Zirkusbaron", die aus jener Phase stammt, in der Vandersteen die Serie in seitdem nicht mehr erreichte Höhen führte und deren Ende dadurch gekennzeichnet werden kann, dass Jerom seine Urtümlichkeit verlor und seitdem stromlinienförmiger gezeichnet und nicht mehr so originell wie in jenen 15 Klassikern dargestellt wurde.

Diese 15 Juwelen aus der Suske und Wiske-Reihe sind in der zweifarbigen Orininalfassung als gebundene Reprint-Ausgabe der Standaard-Uitgeverij in den Bänden 22 bis 36 zu finden:

Etliche dieser Geschichten, die an Einfallsreichtum und irrwitzigem Humor ihresgleichen suchen, wurden in den deutschen Felix-Heften 206 bis 298 abgedruckt, wo sie bis heute die einzige vollständig kolorierte Ausgabe mit den Original-Zeichnungen geblieben sind.

Die ersten 56 Alben der Serie erschienen nämlich im Zweifarb-Druck und dienten den Felix-Heften offenbar als Vorlagen, wo sie dann ganzfarbig präsentiert wurden.

Zwar druckte auch Standaard ab dem Album Nr. 67 Suske und Wiske im Vierfarbdruck und es befanden sich auch die genannten Klassiker als Nachdrucke darunter, jedoch wurden die Neuausgaben stark überarbeitet und gaben nicht mehr das ursprüngliche Flair wieder.

Standaard-Klassiek-Reprint
Standaard-Album Nr. 127
kolorierte Originalversion Felix 220
Drei Beispiele für überarbeitete Neuausgaben klassischer Geschichten in der Standaard-Albenreihe.

Der Erfolg der Reihe gerade in Holland und Belgien ist dessen ungeachtet weiterhin enorm und so ist es nicht erstaunlich, dass Suske und Wiske auch über andere Kanäle vermarktet wird. Über alternative Albenformate, Werbe-Alben, Sammelbilder-Alben und neuerdings auch CD-Rom's versucht man dem Publikum, die bekannten Figuren in immer neuen Formen nahezubringen. Selbst ein Musical wurde bereits mit Erfolg produziert.

Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ein Album, das die Provinz Antwerpen als Touristeninformation im Jahre 1958 - also in der Blütezeit der Serie - von Vandersteen zeichnen ließ und in dem er sein ganzes Können unter Beweis stellte: "De rammelende Rally", eine Rennfahrt durch die Provinz, die 1998 anläßlich des 50-jährigen Bestehens des Touristenbüros neu auflegte.

Bislang sind nach der Veröffentlichung in Felix noch drei weitere Versuche gemacht worden, Suske und Wiske in Deutschland zu etablieren:

Im Rädler-Verlag erschienen in den 70er Jahren 14 Alben, im Feest-Verlag wurden drei Hardcover-Ausgaben editiert und zuletzt wagte es der PSW-Verlag, der es immerhin auf acht Ausgaben brachte.

Es wäre der Serie zu wünschen, dass ein Verlag wie z.B. Carlsen, Hethke oder sogar Standaard selbst sich ihrer annähme und die Abenteuer von Suske und Wiske, insbesondere die 15 Originalfassungen aus der Blütezeit, in ansprechender Kolorierung und Edition den Liebhabern von Comic-Kunst in Deutschland zuganglich machen würde.