In Deutschland begann
die Geschichte der Mumins im Jahr 1954 mit der Veröffentlichung
des Buches "Eine drollige Gesellschaft" durch den Benziger
Verlag (in Finnland: Erstveröffentlichung 1948, Neuveröffentllichung
1968 "Trollkarlens Hatt").
Bereits ein Jahr später
legte der Benziger Verlag den "Sturm im Mumintal" nach
(1954/1969 "Farlig Mittsommar").
Vielleicht wäre
das auch schon das Ende der deutschen Buchveröffentlichungen
gewesen, wäre nicht 1959 vom 16. bis zum 21. August eine
sechs-teilige Fassung der "drolligen Gesellschaft" auf
der Frankfurter Runkfunk-, Fernseh- und Phonoausstellung von der
Augsburger Puppenkiste aufgeführt und im Fernsehen ausgestrahlt
worden.
Offenbar hatten die
Trolle beim frühen deutschen TV-Publikum Anklang gefunden,
denn bereits ein Jahr später folgte die Puppenkisten-Version
des "Sturms" im Schwarzweiß-Fernsehen jeweils
sonntags in wiederum sechs Teilen vom 18. September bis zum 23.
Oktober 1960.
Da es aber noch keine
weiteren deutschen Buchvorlagen gab überarbeitete die Augsburger
Puppenkiste nochmal die Aufführung der Funkausstellung, und
so wurde nochmals die "drollige Gesellschaft" in einer
Neufassung vom 12. Februar bis zum 19. März 1961 im Fernsehen
gezeigt.
Im selben Jahr setzte
dann auch der Benziger Verlag seine Bucheditionen mit der Erstausgabe
von "Komet im Mumintal" fort (1946 "Kometjakten";
1956 "Mumintrollet pa Kometjakten"; 1968 "Kometen
kommer"), 1963 gefolgt von "Muminvaters wildbewegte
Jugend" (1950/1956 "Muminpappans Bravader"; 1968/1980
"Muminpappans Memoarer").
Die Tradition der
buchlangen Abenteuererzählungen wurde in Deutschland 1966
mit Erscheinen der "Geschichten aus dem Mumintal (1963 "Det
osynliga Barnet [och andra Berättelser]), einer Sammlung
von Kurzgeschichten, die durchaus nicht mehr den Charakter von
Kindergeschichten tragen, unterbrochen.
1968 erschien dann
mit "Winter im Mumintal" (1957 "Trollvinter")
das Meisterstück von Tove Jansson, in dem es ihr auf zauberhafte
Weise gelingt, nicht nur eine wundervolle Abenteuergeschichte
für Kinder zu schreiben, sondern auch eine Erzählung,
deren tiefere Bedeutung auch Erwachsene anzusprechen vermag.
Wiederum zwei Jahre
später, im Jahr 1970, erschien das vorletzte Muminbuch, "Mumins
Inselabenteuer" (1965 "Pappan och havet"), das
die spielerische Unbeschwertheit der früheren Geschichten
vermissen läßt und sich eher an ein erwachseneres Publikum
zu wenden scheint.
Offensichtlich wird
die dort auftauchende Hinwendung zum lebensphilosophischen Erzählen
im chronologisch letzten Muminbuch, das bei Benziger 1972 unter
dem Titel "Herbst im Mumintal" (1970 "Sent i November")
veröfentlicht wurde.
Immerhin 20 Jahre
später, also 38 Jahre nach Erscheinen des ersten Muminbuches
in Deutschland, entschloß sich der Benziger Verlag 1992
im Rahmen der "Benziger Edition" endlich das chronologisch
erste Muminbuch unter dem Titel "Mumins lange Reise"
(1945 "Smatrollen och en stora Oversvämmingen")
dem deutschen Publikum zugänglich zu machen und somit die
Publikationen der klassischen Muminbücher von Tove Jansson
zu vervollständigen.